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Bildquelle ulleo/pixabay

Kontaktsperre und Woll(ver)lust
„Ach du Schreck!“, jammerte Else. „Mir ist die Wolle ausgegangen!“ Dem Strumpf auf ihren Nadeln fehlte noch die Spitze. Für Else war das eine mittlere Katastrophe.
„Wo ist sie denn hin gegangen?“, fragte Albert mit einem verschmitzten Lächeln.
„Blödmann!“, schimpfte Else. „Du weißt doch genau, was ich meine! Was mache ich denn nun? Das Woll-Lädchen ist doch geschlossen wegen dieses blöden Virus.“
„Hm!“ Albert tat, als überlege er. „Dann leg das Strickzeug zur Seite und häkle etwas. Hast du schon lange nicht mehr gemacht.“
„Du Döskopf! Nicht weiter denken wie die Nase reicht, ja, das kannst du.“
Else ärgerte sich nun wirklich.
„Wie soll ich denn ohne Wolle häkeln? Kannst du mir das vielleicht auch verraten?“
„Lass uns einen Spaziergang machen. Das ist gesund und bringt uns auf andere Gedanken!“, schlug Albert vor. Er wusste genau, dass er damit bei seiner Else ins Schwarze treffen würde und überwand deshalb seine Trägheit.
Else legte das Strickzeug zur Seite. Sie freute sich, zumal heute die Sonne so herrlich schien. Zu zweit durften sie ja gehen, Albert und sie und das war gut so. Außerdem kam ihr da ein Gedanke. Ingrid! Die hatte doch neulich geklagt, dass sie nicht wisse, was sie mit all der Wolle anstellen sollte, die ihr die Nachbarin bei deren Umzug geschenkt hatte. Zwei große Kisten voller Wolle in den schönsten Farben, so hatte Ingrid es gesagt. Und Ingrid hatte keine Lust zum Stricken. Bestimmt würde sie ihr ein paar Knäuel Wolle für einen schönen Schal oder Pullover abgeben.
„Fein!“, sagte sie. „Da können wir gleich einen Abstecher zu Ingrid und Peter machen. Und …“
„Halt!“, rief Albert entsetzt.
„Hast du es immer noch nicht verstanden? Kontaktverbot, meine Liebe. Muss ich es dir noch einmal erklären, oder siehst du vor lauter Woll-Lust die Realität nicht mehr?“
Else stutzte, dann lacht sie laut auf und kann nicht mehr aufhören zu lachen. „Wollust!“, stammelte sie und dann ging es wieder von vorn los.
Albert hatte es gerade nicht begriffen, warum Else lachte. „Du würdest wegen deiner dämlichen Wolle glatt ins Verderben tappen. Es ist ernst, Else! Die Sache ist ernst.“
„Was? Das Stricken ist ernst? Nein, es entspannt und macht fröhlich. So wie jetzt. Wollust! Hihi! Ist das nicht zu komisch?“
„Hihi!“, machte Albert, aber es klang eher wie ein „Oh-mein-Gott,-die-Alte-spinnt, -was-mach-ich-nur?“
„Und wo krieg ich nun Wolle her, für meine …?“, Else kicherte, und beinahe wäre sie schon wieder in lautes Gelächter ausgebrochen.
Genau in diesem Moment hörte man deutlich den Groschen fallen, der bei Albert festgesteckt hatte. Klirr! Albert schluckte, grinste, lachte laut auf und schlug sich auf die Schenkel.
„Else! Du bist einfach unglaublich!“, lachte er und dann lachten sie zusammen bis Tränen kamen. Hach, das tat gut! Sollten wir alle mal machen, was meint ihr?

© Regina Meier zu Verl