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Opa hackt Holz
Wintergeschichte für Senioren zum Vorlesen

„Es wird Zeit, dass der Frühling kommt“, klagte Oma Weber. „Dieser Winter ist besonders dunkel und lang. Ich mag ihn nicht mehr leiden.“
„Und er ist kalt“, fügte Opa Weber hinzu. „Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so sehr frieren mussten. Ich glaube, bald geht unser Holz aus.“
Oma Weber seufzte. „Du immer mit deinem Holz! Jeden Vormittag stehst du draußen und hackst Holz. Für nichts anderes mehr hast du Zeit.“
„Stimmt und wenn ich ehrlich bin, so macht es mir auch Spaß. Diese Arbeit hält jung und fit und mir wird schön warm dabei.“ Opa Weber hatte gesunde rote Wangen und freute sich nun auf eine schöne Tasse Tee mit Kandiszucker und Sahne.
Heute aber hoffte er vergebens.
„Du hast Pech!“, sagte seine Frau. „Ich möchte nämlich auch einmal wieder länger raus an die frische Luft. Und zwar mit dir. Die Sonne scheint, die Luft ist klar und der Schnee knirscht unter den Füßen. Ein perfekter Wintertag für einen Besuch auf der Karlsburg. Lange waren wir nicht mehr dort oben und einen heißen Tee bekommst du dort auch. Und ein Stück Linzertorte mit Schlagsahne.“
„Aber … ich … ich habe doch schon den ganzen Vormittag draußen in der Kälte verbracht. Ich …“ Opa Weber wurde aschfahl im Gesicht. Eine Wanderung war das letzte, was er sich für heute noch wünschte.
„Ich dachte, beim Holzhacken wird dir warm?, fragte Oma Weber mit einem gespielt empörten Gesicht. „Du wirst mir doch diesen Wunsch nicht abschlagen?“ Das Lächeln in ihren Augen war nicht zu übersehen.
Opa Weber kapitulierte. Wie konnte man dieser Frau einen Wunsch versagen?
„Ich ziehe mich rasch um. Aber ich habe eine Bedingung: Bis zum Burgparkplatz fahren wir mit dem Auto. Mehr Winterkälte schaffe ich heute nicht mehr.“
Oma Weber grinste. „Ich habe auch eine Bedingung: Du lässt in den nächsten Tagen öfter mal das Holz Holz sein und nimmst dir Zeit für mich. Als Gegenleistung gewähre ich dir heute noch einmal Gnade und verzichte auf die Wanderung. Was hältst du davon?“
„Viel!“ Opas Weber strahlte und wenn er das tat, sah er immer ganz jung aus.
Zum Verlieben jung, dachte Oma Weber und drückte ihm einen dicken Schmatz auf die Wange.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Winterholz, Bildquelle © Free-Photos/pixabay

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