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Hexenschuss und Käsekuchen
Fröhliche Geschichte für Senioren zum Vorlesen

Marie war sehr gut gelaunt heute. Und zu Streichen aufgelegt war sie auch.
„Ich bin der böse Fratzengeist, der dir gleich in den Popo beißt!“, sang sie und tanzte um ihren Großvater herum.
„Was bist du? Ich höre wohl nicht richtig! Und beißen willst du mich? Na warte!“
Opa Paul sprang auf und jagte seine Enkelin durchs Wohnzimmer immer rund um den großen Esstisch. Plötzlich zuckte er zusammen. Nein, irgendetwas zuckte in ihm. In seinem Rücken, dem verlängerten, um es genau zu sagen.
„Au! Autsch!“, heulte er los und hielt sich die schmerzende Stelle. „Das tut weh!“ Mühsam humpelte er zu seinem Sessel zurück und ließ sich in die weichen Polster fallen.
„Oma, Oma!“, schrie Marie. „Du musst kommen! Ich glaube, Opa stirbt!“
„Blödsinn!“, schimpfte Opa. „Mach Oma doch keine Angst! Mich hat lediglich die Hexe geschossen! Verflixt tut das weh!“
„So schnell stirbt man nicht“, rief Oma da auch schon von ihrem Arbeitszimmer her. Dann aber kam sie doch ins Wohnzimmer.
„Eine Hexe?“, erkundigte sie sich. „Sag bloß, die Herbstgeister sind unterwegs?“
Opa stöhnte nur und Marie deutete aufgeregt auf Opas Hinterteil. „Der Opa ist krank.“
Oma grinste. „Ach was, das wird schon wieder. Unkraut vergeht nicht“, meinte sie und Marie wunderte sich. Wie leichtfertig Oma mit Opas Schmerzen umging.
„Wir müssen ihm helfen!“, rief sie aufgeregt.
Oma nickte. „Machen wir! Gleich reibe ich Opas Rücken mit Wärmesalbe ein. Die hilft immer.“
„Und wer verjagt die Hexe?“, erkundigte sich Marie.
„Die Hexe?“, fragte Oma. „Habt ihr sie denn nicht eingefangen? Oh je, oh je! Schleicht dieses gemeine Biest womöglich noch durchs Haus?“
Mit einem Satz sprang Marie auf den Schoß des Großvaters. Der schrie auf, vor Schreck und noch mehr vor Schmerz.
„Oma, du musst sie fangen“, rief Marie mit Entsetzen in der Stimme.
„Oh!“ Oma grinste wieder. „Das wird schwierig sein. Ich glaube, da muss ich erst einmal den Käsekuchen anschneiden. Vielleicht lässt sich die Hexe damit in die Küche locken?“
Hm. Käsekuchen? Für die Hexe? Was für eine Verschwendung!
Marie und Opa sahen sich an.
„Hol du lieber die Salbe, und wir passen inzwischen auf den Käsekuchen auf, nicht wahr Marie?“, schlug Opa vor. „Komm, hilf mir hoch!“
Marie fasste Opa bei den Händen und zog. Das war schwerer als gedacht, deshalb musste Oma mithelfen. Gemeinsam schafften sie es, Opa aus dem Sessel zu hieven und ihn in die Küche zu begleiten.
Die Hexe ward dann nicht mehr gesehen an diesem Nachmittag. Die Drei ließen sich den Kuchen schmecken, bis kein Krümel mehr übrig blieb. Einen so leckeren Käsekuchen nämlich hätte diese unselige Hexe auch wahrlich nicht verdient.

© Elke Bräunling

Käsekuchen zum Trösten, Bildquelle © congerdesign/pixabay

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