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Zu zweit ist man nicht so allein

Es war einmal ein Sockenpaar, das lebte viele Jahr glücklich miteinander, der eine, Remus, an einem rechten Fuß und der andere, Linus, an einem linken Fuß. Ihr einzige Abwechslung bestand darin, dass sie zuweilen gemeinsam mit anderen Sockenpaaren ein Waschfest in der Waschmaschine feierten und dort ordentlich durcheinandergewirbelt wurden, so dass sie sich anschließend auf dem Wäschereckchen erholen mussten, während sie trockneten.
Manchmal tauschten sie auch die Füße, aber das war auch schon alles. Nicht Aufregendes passierte, denn wenn sie an den Füßen steckten, dann verschwanden sie oft stundenlang in dicken Lederschuhen und konnten sich nicht unterhalten, erst am Abend, wenn sie gemeinsam vor dem Bett oder in der Wäschetruhe lagen, konnten sie wieder plaudern.
Dann erinnerten sie sich gern daran, wie sie entstanden waren, Remus war der erste gewesen, der nach langer Arbeit von den Stricknadeln der Oma Grete gehüpft war. Geduldig hatte er abgewartet, bis sein Partner Linus ebenfalls fertig gestrickt war. Oh, war das schön gewesen und das Allerschönste war, dass man sie bewunderte. Noch heute hatten sie die Ausrufe im Ohr, die gemacht wurden, als sie, in feines Geschenkpapier gewickelt, ihren neuen Besitzer kennenlernten.
„OH, wie schön die sind. Und so kuschlig. Das sind ab jetzt meine Lieblingssocken!“, hatte Roman ausgerufen, der das Glück hatte, dieses wunderbare Geschenk an seinem Geburtstag zu bekommen.
Wenn er sie trug, dann hatten auch andere Leute Entzückensschreie losgelassen. „Guck mal, diese tollen Socken! Solche hätte ich auch gern!“, hatte es geheißen. Ja, das war eine schöne Zeit gewesen. Später hatten sie allerdings tagelang in einer dunklen Sockenschublade gelegen. Das war nicht schön! Sie bekamen kaum Luft darin und der Geruch von Lavendelseife verursachte Übelkeitsanfälle. Doch tapfer hielten sie durch, denn sie hatten ja sich und das war mehr als alles Gold der Erde wert.
Eines schönen Frühlingstages, Roman hatte Remus und Linus angezogen und die Füße dann in die warmen Lederschuhe gezwungen, da passierte es dann. Die beiden hatten tüchtig geschwitzt und als sie aus den Schuhen befreit wurden, da hatten sie heftig gestunken. Roman hatte entsetzt „Igittigit“ gerufen und die verzweifelten Socken in die Ecke geworfen. Da lagen sie nun und dufteten vor sich hin, bis Romans Liebste ein Einsehen mit ihnen hatte und sie in die Waschmaschine packte.
Nach endlosen Umdrehungen und dem schmerzhaften Schleudergang wurden sie wieder befreit und auf das Wäschereck gehängt. Zuvor hatte Romans Liebste sie eingehend betrachtet und festgestellt, dass die Wolle an Hacke und Spitze mittlerweile recht dünn geworden war.
„Vermutlich sollte ich euch aussortieren!“, stellte die Liebste fest und unser Sockenpaar wusste, was das bedeutete, zu viele Kameraden waren schon von heute auf morgen verschwunden, entweder war einer in der Waschmaschine verloren gegangen, oder es hatten sich Löcher gebildet und niemand wollte sie mehr anziehen, geschweige denn stopfen.
„Wir sollten uns auf die Socken machen und das Weite suchen!“, schlug Linus vor und Remus war seiner Meinung. „Nichts wie weg hier!“, rief er und dann ließen sich die beiden einfach von der Wäscheleine plumpsen.
Und wenn sie niemand vermisst hat, dann liegen sie dort noch immer. Einsam und traurig werden sie sein und vielleicht träumen sie von Oma Grete oder von Roman. Auf jeden Fall hoffen sie, dass sie immer zusammenbleiben können, denn das Schönste ist doch, wenn man einen Partner hat, oder nicht?

© Regina Meier zu Verl

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