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Das Rosenkostüm
Erzählung für die Fastnachtszeit

Elisabeth Wolf schaltete den Computer an und fütterte eine Suchmaschine mit dem Begriff ‚Karnevalskostüme’. Am Rosenmontag wollte sie nämlich mit ihrer Freundin Ursula zu einer Karnevalssitzung gehen. Sie war nicht scharf darauf, sich zu verkleiden, schließlich gingen sie ja nicht zu einem Kostümball. Früher pflegten die Damen zu diesen Sitzungen festlich lange Kleider zu tragen, die Herren kamen im Smoking. Das hatte ihr mehr zugesagt.
Auf der Einladung hatte aber stand, dass man sich bitte im Kostüm einfinden sollte und Ursula war von dem Gedanken auch ganz begeistert gewesen. Elisabeth wollte ihr den Spaß nicht verderben und suchte nun nach einer Verkleidung, die nicht allzu aufwändig und auffällig war.
„Rosenfrau!“, flüsterte ihr da eine lieb vertraute Stimme, die sich nur noch selten bei ihr meldete, zu. „Du bist eine Rosenfrau. Nein, meine Rosenfrau bist du. Hast du es vergessen?“
Elisabeth lächelte. Rosenfrau. Ja, so hatte ihr Mann sie immer genannt. Und hatte er sich nicht immer gewünscht, dass sie ihn einmal als Rosenfrau zum Karneval begleitete?
Das war es doch! Sie würde sich hübsch anziehen, das bunte Sommerkleid mit dem Rosenmuster, das er so geliebt hatte, und in die Haare würde sie duftende Rosen frisieren. Mit dieser Art von ‚Verkleidung‘ würde sie sich wohlfühlen und Achim würde bei ihr sein, so wie er es sich gewünscht hatte. Schade, dass es zu seinen Lebzeiten nicht dazu gekommen war. Aber vielleicht war er ja doch noch da, vielleicht konnte er sie sehen von dort, wo er nun schon seit sieben Jahren auf sie wartete.
„Ist es so, Liebster?“, flüsterte sie und blickte auf das Bild, das ihr von der Wand her zulächelte. Ein Bild, in dem er, hinters Ohr gesteckt, eine Rose trug.
Lange saß Elisabeth am Abend im Wohnzimmer und dachte zurück an die glückliche Zeit mit ihrem Mann. In der Nacht träumte sie von einem rauschenden Rosenfest. Sie trug das Kleid mit den Rosen und Achim und sie tanzten über eine bunte Wiese, ausgelassen wie Kinder, verliebt wie in der ersten Zeit und miteinander vertraut wie nach vielen Jahren des Zusammenseins. Das ganze Leben lag in diesem Tanz und es fühlte sich so echt an, als wäre es für eine Nacht zu ihr zurückgekommen und wahr geworden.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

 

Liebeslied, Musik von © Paul G. Walter

Rosenkostüm, Bildquelle © ArtsyBee/pixabay

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