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Ein Fest für die Sinne
Erzählung

Der Tag begann kalt, nebelig und trübe. Getrübt war auch die Stimmung der Menschen in der Stadt. Mit finsteren Blicken und vergrämten Mienen hasteten sie durch die Straßen. Sie hatten es eilig, ins Warme zu kommen und dort das Licht zu finden, das ihnen der Tag in dieser grauen Zeit vorenthielt. Irgendwo musste man schließlich etwas zum Freuen finden. Ein leises Licht, das dem Dunkel trotzte und die Herzen erwärmte.
Auch auf dem Markt bei der Laurentiuskirche war es an diesem Vormittag so dunkel, dass man meinen konnte, man hätte sich in der Zeit geirrt und es sei bereits Abend.
„Es will heute nicht hell werden“, klagte die Gemüsefrau. „Das kriecht mir aufs Gemüt.“
„Seit Tagen geht das so!“, sagte eine Kundin. „Sie glauben nicht, wie schwer es mir heute Morgen gefallen ist, mein warmes Bett zu verlassen. Gar nicht rausgehen wollte ich.“
„Damit sind Sie nicht alleine!“, stimmte die Frau neben ihr zu. „Es kostet Anstrengung, nicht trübselig zu werden. Und deshalb kaufe ich mir jetzt buntes Gemüse für eine Gutelaunesuppe. Die Vitamine werden helfen.“
„Gute Idee!“ Der Herr neben ihr nickte. „Da werde ich doch glatt ihrem Beispiel folgen. Suppe und dazu zwei Stücke von dem köstlichen Apfelkuchen, den ich gerade erstanden habe.“ Er hielt eine Tüte hoch und schnupperte daran. „Das hier riecht auch nach guter Laune.“
„Stimmt genau!“, rief der Bäcker vom Brötchenwagen. „Süßes tut gut und streichelt die Seele. Auch wenn viele heutzutage sagen, Zucker sei ungesund.“
„Ist er auch!“, wandte eine junge Frau ein. „Aber Traurigkeit ist es auch.“ Sie grinste, kaufte ein Franzbrötchen und biss voller Genuss hinein. „Ahh!“ Ihre Augen glänzten.
Die umstehenden Leute lächelten.
„Dazu empfehle ich eine heiße Schokolade“, sagte eine ältere Dame. „Sie wirkt Wunder an Tagen wie diesen.“
„Das tut mein Honig auch!“, pries der Imker vom Stand gegenüber an. „Es gibt nichts Besseres als Kräutertee mit gutem Blütenhonig, der die Gedanken beim Genuss in den Frühling und Sommer entführt.“
„Und dazu empfehle ich meine Kräuter!“, ergänzte die Kräuterfrau. „Pfefferminze, Melisse, Verbenen, Kamille, Thymian und Salbei. Frisch geerntet im Sommer und behutsam getrocknet in meinem Kräuterschuppen. Ihr Duft zaubert die Sonne in Ihre Seele!“
„So wie meine Gewürze! Ingwer, Zimt, Chili, Kurkuma, Kardamom und Anis sind Balsam bei Winterblues und traurigen Gefühlen“, rief der Händler mit den vielen bunten Gewürztüten. „Sie sind ein Fest für die Sinne.“
„Und Kartoffeln! Es geht nichts über eine Pfanne feiner, knuspriger Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und frisch geerntetem Feldsalat“, meldete sich die Marktfrau wieder zu Wort. „Ich sage Ihnen, das wirkt immer.“
„Ein Mettbrötchen mit Petersilie und Zwiebeln hilft auch! Und Fleisch! Jawohl! Ein gutes, mageres Stück Fleisch wirkt Wunder!“, meldete sich der Marktmetzger zu Wort und die Eierfrau rief:
„Eier! Essen Sie Eier! Sie machen fröhlich.“
„Das tut das Licht meiner Kerzen auch!“ Die junge Frau vom Kerzenstand hielt eine Handvoll gelber, roter, weißer und rosafarbener Kerzen in die Höhe. „Es lässt die Augen wieder lachen.“
„Und Schokolade!“, rief der Mann von der Naschtruhe gegenüber mit all den verführerisch süßen Leckereien. „Es geht nichts über einen Schokoladenhoniggewürzkeks.“
Immer mehr Tipps und Ratschläge und Angebote hallten über den Marktplatz.
Rund ging es zu. Und bunt. Und ein bisschen war es auch schon heller geworden. Der Tag hatte nun doch ein Lächeln in die Gesichter der Menschen gezaubert.
„Ungesund! Das ist doch alles nicht gesund und schadet bloß dem Körper“, quäkte da die griesgrämige Stimme einer Frau. „Ich empfehle Ihnen …“
Sie kam aber nicht weiter, denn die Stimme der älteren Dame, die heiße Schokolade so sehr liebte, tönte lauter nun:
„Ha!“, rief sie. „Der ganze Winter ist ungesund. Und? Bisher haben wir noch jeden Winter überlebt, und mal ehrlich, mit guter Laune und einem Lächeln tut man sich leichter.“
Der Beifall, der nun ertönte, klang laut und fröhlich, und mehr war dazu im Moment auch nicht zu sagen. Vielleicht so viel noch: Jener dunkle, graue Tag endete für viele Marktbesucher ganz anders, als er begonnen hatte, und das war doch etwas, oder?

© Elke Bräunling

Am Marktstand, Bildquelle © blueprint2015/pixabay

 

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