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Gänsebraten

Mutter, Vater, Hund und Kind
beim Weihnachtsschmaus versammelt sind.
Die Gans ist gar bis auf die Knochen,
im Salzwasser die Klöße kochen,
der Rotkohl dampft in seiner Schale,
da sagt das Kind mit einem Male:
Vom Fleisch, da esse ich nichts mehr,
ich bin jetzt Vegetari-er.

Die Mutter stutzt, der Vater lacht:
Wann hast du dir das ausgedacht?
Willst du nie wieder Bratwurst essen,
die Frikadellen ganz vergessen?
Magst du kein Schnitzel mehr vom Grill
und auch kein Lachshäppchen mit Dill?

Das Kind, es schüttelt mit dem Kopfe
und schielt ganz heimlich nach dem Topfe,
aus dem der Gänsebratenduft
erhebt sich in die Küchenluft.
Ganz plötzlich lösen sich die Tränchen,
es ruft: Ich ess doch nicht mein Lenchen!

Ach Kind, du glaubst, dass wir das wollen?
Komm her und hör auf mit dem Schmollen.
Dem Lenchen fehlt nicht eine Feder,
auch wär sie sicher zäh wie Leder.
Sie ist schon alt und bleibt am Leben,
weil wir das Gnadenbrot ihr geben.

Jetzt strahlt das Kind vor lauter Glück
es nimmt vom Braten sich ein Stück
und spricht: Es ist noch nicht lang her,
da war ich Vegetari-er.

© Regina Meier zu Verl

stalltuer

Ob das Lenchen wohl hinter dieser Tür wohnt?

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