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Sorgen um Oma
Erzählung

In letzter Zeit sah Oma müde aus. Fast konnte man meinen, sie war ein bisschen krank. Oder sogar mehr als ein bisschen?
„Du gefällst mir nicht“, sagte Papa. „Fühlst du dich nicht wohl?“
„Machst du immer noch keinen Mittagsschlaf?“, fragte Mama, nicht minder besorgt. „Du hattest es uns doch versprochen!“
„Ausruhen? Schlafen? Ha! Wann soll ich das denn tun?“
Oma lachte hellauf. Nein, sie hatte keine Zeit zum Schlafen. Außerdem hasste sie es, ihre Tage saumselig zu vertrödeln. „Macht euch keine Sorgen. Es geht mir gut.“
„Aber du kannst doch nicht den ganzen Tag auf den Beinen sein!“, schimpfte Papa. „Nach all dem Stress, den du in den letzten Jahre mit deiner Arbeit in der Schule und später mit Opas Krankheit gehabt hattest, solltest du dich nun etwas mehr ausruhen. Du hast Ruhe verdient.“
„Und nötig hast du sie auch“, warf Mama ein. „Ganz blass bist du um die Nase. Du siehst müde aus.“
„Unsinn!“ Oma machte eine wegwerfende Bewegung. „Ich habe meinen Garten und dort gibt es jetzt viel zu tun.“
„Und schon wieder machst du dir Stress“, klagte Papa. „Wenn du uns wenigstens helfen ließest!“
Ein Grinsen machte sich in Omas Gesicht breit.
„Helfen“, fragte sie. „Aber ja! Wenn ich mit den Gartenbeeten fertig bin, darfst du sie mir gerne alle umgraben. Damit hilfst du mir sehr.“
Sie grinste, wusste sie doch, dass Papa Gartenarbeit hasste.
„Ei-einverstanden“, sagte Papa mit schwacher Stimme, dann schwieg er. Nicht dass seiner Mutter noch mehr unangenehme Jobs für ihn einfielen.
Mama aber versuchte es noch einmal mit einem Vorstoß, denn Oma sah wirklich blass aus.
„Du hast dir doch diesen bequemen, chicen Ruhesessel gekauft. Möchtest du dich nicht wenigstens ein oder zwei Stündlein am Tag darin ausruhen?“
„Das tue ich doch!“ Omas Stimme klang nun empört. „Diesen teueren Sessel habe ich ja schließlich nicht umsonst gekauft.“
Sie schüttelte den Kopf und dachte an die vielen spannenden Stunden, die sie mit ihrem Strickzeug in diesem Sessel vor dem Fernseher verbrachte und sich dabei einen spannenden Film nach dem anderen ansah. Es gab da doch neuerdings diese großartige Möglichkeit, sich Filme nach eigener Wahl zu jeder Zeit am Tag – und in der Nacht – anzusehen, und das tat sie auch. Sie genoss nun endlich all jene Filme und Serien, die anzusehen sie früher nie Zeit gehabt hatte und die sie nun meist erst sehr spät ins Bett gehen ließen. Abend für Abend bis tief in die Nacht hinein. Spannend war das! Und entspannend auch.

© Elke Bräunling

Fernsehnostalgie – Bildquelle: AlexAntropov/pixabay