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Duschutensilien joe137/pixabay

Ungeschicklichkeiten

Heidi warf die rosa Topflappen, ein Andenken an ihre Großmutter, auf den Küchenschrank. Verflixt, sie hatte sich trotz dieser nützlichen Teile schon wieder die Hand verbrannt. Sie drehte das kalte Wasser auf und hielt mit schmerzverzerrtem Gesicht ihren rechten Zeigefinger unter den Strahl.

Als nach einer Weile der Schmerz ein wenig nachließ schaltete sie den Backofen aus und betrachtete den Kuchen, den sie gebacken hatte. Köstlich sah er aus und er duftete ebenso köstlich. Gut, dass sie wenigstens ein Holzbrett bereitgestellt hatte, als sie ihn aus dem Ofen geholt hatte. Eine unschöne Brandstelle gab es nämlich schon auf der Küchenarbeitsplatte und die ärgerte sie seitdem.

In der letzten Zeit passierten ihr immer wieder solche Sachen. Das hatte es früher nicht gegeben. Stets hatte sie alle Arbeiten im Haushalt sehr umsichtig erledigt und nur darüber gegrinst, wenn Heinz sagte: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt!“
War das so? Hatte sie bisher nur Glück gehabt, oder ließ ihre Aufmerksamkeit nach? Wurde sie etwa alt?

Quatsch, Heidi hatte vor ein paar Monaten ihren Fünfundsechzigsten gefeiert. Sie war im besten Alter, wie sie gern behauptete. Trotzdem gaben ihr die kleinen Ungeschicklichkeiten zu denken. Vielleicht war es einfach die Routine, sie musste eben etwas vorsichtiger sein, dann würde sich das wieder geben.

Während sie darüber nachdachte, fiel ihr der Sturz im Badezimmer ein. Letzte Woche war sie aus der Dusche gekommen und so unglücklich ausgerutscht, dass seitdem ein dicker blauer Fleck ihren Allerwertesten zierte. Das war nochmal gut ausgegangen, sie hatte sich nichts gebrochen. Heinz hatte sie es wohlweislich verschwiegen, weil sie sich seine Schimpftirade nur zu gut vorstellen konnte.
Außerdem war es auch gar nicht ihre Schuld gewesen, sondern zurückzuführen auf das neue Duschgel mit dem berühmten Namen. Wie hieß das nochmal? Heidi fiel es nicht ein, verflixt, nun auch das noch.

Auf jeden Fall war es so eine neuartige Duschcreme, die man auf die nasse Haut auftrug, am ganzen Körper, einen Moment einwirken ließ und anschließend abspülte. Man brauche sich danach nicht mehr eincremen, sagte die Werbung, die die Beschaffenheit der Haut anschließend mit den schönsten Adjektiven beschrieb und einfach Lust auf so eine Dusche machte. Allerdings war im Anschluss nicht nur die Haut schön cremig, auch die Duschwanne bekam davon etwas mit und war glatt und seidig, besser gesagt: Sie war glitschig. Kein Scherz! Es war so gewesen und „zack“, hatte Heidi den Halt verloren und in ihrer nackten Schönheit im Badezimmer gelegen.
Die Duschcreme hatte sie ihrer Tochter geschenkt. „Für mich ist das nichts, vielleicht gefällt sie dir. Aber vorsichtig, sie macht die Duschwanne glatt!“

Heidi betrachtete die Brandwunde m rechten Zeigefinger. Das würde eine Weile schmerzen. Wie gut, dass sie Brandsalbe im Kühlschrank hatte. Sie trug die Salbe dick auf und klebte ein wasserfestes Pflaster um den Finger. Sie musste ja noch die Küche aufräumen und die Backutensilien spülen.
Heidi seufzte. Irgendwie war ihre Laune im Keller gerade. Als dann noch Heinz die Küche betrat und fragte, was es denn mittags zu essen gäbe, platzte sie.
„Andere Sorgen hast du wohl nicht?“, fragte sie bissig, öffnete den Deckel des Mülleimers und warf die Topflappen hinein.
„Sie haben ein Loch!“, behauptete sie und schob ihren Mann aus dem Raum.
„Und nun lass mich in Ruhe, sonst gibt es nämlich heute Mittag gar nichts!“, schimpfte Heidi. Es tat ihr aber sofort leid, denn Heinz konnte nun wirklich nichts dafür. Also lenkte sie ein und versprach ihm Bratkartoffeln, die würde sie sicher unfallfrei hinbekommen. Das glaubte sie jedenfalls.

© Regina Meier zu Verl