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Gänselgrün und Schweinsrose

„Heute müsst ihr euch alleine beschäftigen. Ich muss mich dringend um die Wäsche kümmern“, verkündete Mama beim Frühstück.
„Es sind doch Ferien!“ Anni war empört. „Und was sollen wir ohne dich machen? Das Wetter ist doof. Da kann man nicht ins Schwimmbad gehen.“
„Besuchen wir die alte Grete!“, schlug ihre ältere Schwester Carla vor. „Die ist auch bei schlechtem Wetter in ihrem Garten.“
Anni nickte. Dieser Vorschlag gefiel ihr. „Warte einen Moment, ich habe Grete versprochen, mein Biobuch mitzubringen, wenn ich das nächste Mal komme. Sie sucht nämlich nach dem Namen eines Krautes, das in ihrem Garten wächst.“
„Was? Die Grete kennt eines ihrer Kräuter nicht?“, staunte Mama. „Das ist ja noch nie passiert. Sie weiß doch sonst immer über alles, was hier wächst, Bescheid!“
„Sie kennt sogar die Namen aller Tiere, egal, wie klein sie auch sind“, ergänzte Carla.
„Sie weiß schon, wie dieses Kraut heißt“, verteidigte Anni die alte Freundin. „Sie hat nur den lateinischen Namen vergessen.“
„Welches Kraut?“, wollte Clara wissen.
„Es heißt Frauenmantel. Lustig, nicht wahr?“
„Frauenmantel?“, fragte Mama, die nun doch noch Zeit hatte. „Was wollt ihr mit diesem Gänselgrün? Will Grete eine neue Heilsalbe testen?“
„Gänselgrün?“, fragte Anni. „Was ist das schon wieder? Nein, ich meine Frauenmantel.“
„Ja, und den hat meine Oma ‚Gänselgrün‘ genannt. Oder auch ‚Schweinsrose‘. So hieß der Frauenmantel in Omas ostpreußischen Heimatort.“
„Hoho! Schweinsrose! Was für ein Name!“ Clara brach in Gelächter aus.
„Also ich gehe jetzt zu Grete rüber und frage sie, was sie mit dem witzigen Kraut machen will. Kommst du, Clara?“
Anni hat es nun eilig, zu Grete zu kommen.
„Gänselgrün und Schweinsrose“, murmelte sie vor sich hin, damit sie es nicht vergaß, denn sie wollte Grete unbedingt davon erzählen. Was die Pflanzen manchmal aber auch für seltsame Namen hatten! Woher die wohl kommen mochten? Sie nahm sich vor, auch dies Grete zu fragen und lief singend zu Gretes Garten hinüber:
„Frauenmantel, Gänselgrün,
wachsen all im Garten,
auch die Rose von dem Schwein
muss nicht mehr lange warten,
bis sie blühn ganz gelb und schön
und bis alle …“

„Anni, Clara! Wie schön, dass ihr kommt!“, rief die Grete, die die Mädchen gleich entdeckte. „Was singst du da für ein Lied, Anni?“
„Das habe ich gerade erfunden.“ Anni lachte. Sie baute sich manchmal Eselsbrücken, wenn sie etwas nicht vergessen wollte. „Eigentlich wollte ich dir vom Gänselgrün und von der Schweinsrose erzählen. Kennst du die?“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl