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Fußballsommer im Park
Erzählung

„Denken Sie nur! Drüben im Park soll es dieses Fußballgucken geben“, erzählte die alte Frieda, die gerade von ihrem täglichen Parkausflug zurückkam. „Ist das nicht aufregend?“
„Fußballgucken?“
Die Gäste im Seniorenstift am Stadtpark blickten auf. Sie saßen am Nachmittagskaffeetisch und genossen Rharbarberkuchen mit Sahneklacks, den es heute zu Kaffee und Tee gab.
„Fußballgucken im Park? Was soll das denn sein?“
„Wieder so ein neumodischer Kram?“
„Was ist an Fußball schon aufregend?“
„Warum soll man sich im Park ein Fußballspiel anschauen?“
Viele Fragen schwirrten ihr entgegen. Frieda freute sich. So viel Aufmerksamkeit wurde ihr nur selten zuteil.
„Es ist wegen der Fußballweltmeisterschaft“, verkündete sie. „Ich freue mich darauf und werde ganz bestimmt beim Fußballgucken dabei sein.“
„Ach, die Fußballweltmeisterschaft? Bei uns im Park? Die findet doch in Russland statt“, krähte Frl. Hanna.
Weitere Damen winkten ab.
„Dieses Thema schon wieder. Ich mag Fußball nicht leiden.“
„Ein langweiliger Sport.“
„Haha! Männer, die einen Ball jagen.“
„Unfug! Wen interessiert das schon?“, versuchte Antonia Herwig ihre Tischnachbarinnen zu übertönen. „Wenn ich das Sagen hätte, würde ich …“
Doch Frieda interessierte es nicht, was Frau Herwig tun würde, hätte sie das Sagen. Bestimmt nichts Gutes, und Frieda wollte es auch ganz gewiss jetzt nicht hören. Nein, sie wollte sich freuen. Fußball war ein Fest und sie hatte Spaß daran, ausgiebig mitzufeiern. Einen ganzen Monat lang.
„Mich!“, unterbrach sie ihre nörgelnden Mitbewohnerinnen. „Mich interessiert es.“
Peter Freude, der gerade mit Freunden vom Pétanque-Spiel kam, war stehen geblieben. „Was für eine Chance sollten wir nicht auslassen, liebe Frau Frieda?“, fragte er.
Frieda lächelte. „Das Fußballgucken im Park.“
„Sie meinen, es wird drüben ein Public Viewing geben?“ Der alte Herr staunte. „Was für ein Glück!“
Frieda nickte. „So habe ich es erfahren und bevor Sie mich fragen: Ja, ich werde mir die Fußballspiele dort ansehen. Ich stelle mir dieses gemeinsame Schauen mit vielen Menschen großartig vor. Eh … Wollen sie mich begleiten?“
Diese Frage war Frieda so herausgerutscht, ohne dass sie vorher darüber nachgedacht hätte. Was er nun von ihr denken würde. Sie sah, wie die Damen am Tisch scharf die Luft einsogen und Empörung ausatmeten. Erschrocken hielt Frieda die Luft an. Er würde sie doch nicht falsch verstehen?
Nein. Das tat er nicht. Im Gegenteil. Ein Strahlen überzog Peter Freudes Gesicht.
„Das ist aber eine Freude!“, rief er. „Ja. Gerne werde ich Sie begleiten. Ich liebe Fußball. Und ich liebe das Leben.“
Frieda atmete auf.
„Eine Freude nicht nur für Peter Freude“, sagte sie und kicherte ein bisschen. Und es passte irgendwie gerade, dieses Kichern.

© Elke Bräunling

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