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Frühlingsgefühle

„Eins, zwei, drei, der Frühling zieht vorbei!“, sang eine feine Stimme im Garten.
Merlin blickte sich verwundert um. Gerade hatte er noch so schön in der Sonne gelegen und sein Fell geputzt und nun störte jemand seine Ruhe.
Katzengejammer!, dachte er und streckte sich.
„Hey, fauler Kater! Steh auf! Es ist höchste Zeit.“ Katze Lina stand vor ihm und funkelte ihn aus smaragdgrünen Augen an.
Merlin räkelte sich. „Höchste Zeit wozu?“, brummte er.
„Zum Genießen. Den Frühling darf keiner verschlafen.“
„Du immer mit deinen Sprüchen!“, schimpfte Merlin und war nun endgültig wach. „Du nervst, Lina!“
„Und du bist ein alter, fauler Kerl!“, entgegnete Lina. Ihre Stimme klang schnippisch und irgendwie sehr beleidigt.
Was hatte sie nur, die Tigerfrau? Merlin blinzelte zu der Freundin hinüber und erschrak.
„Sag mal, wie siehst du denn aus? Dein Fell ist struppig und zerzaust, keine Zeit für Fellpflege?“, fragte er und ärgerte sich gleich über seine Worte. Einer Dame sagte man so etwas nicht, oder?
„Da wunderst du dich, nicht wahr?“ Lina kam näher und baute sich vor ihm auf. „Träge scheinst alleine du mir in diesen Zeiten zu sein. Nachbars Max und der eitle Herr Valentino von Oma Krause sind da ganz anders unterwegs. Und wie! Ständig muss ich vor ihnen flüchten. Das kostet Kraft, sag ich dir.“
Merlin grinste. Sie wollte ihn wohl eifersüchtig machen, die gute Lina? Das würde ihr aber nicht gelingen. Früher, ja, früher hätte sie sein Blut zum Kochen gebracht. Heute aber war er froh, wenn er seine Ruhe hatte. Auf jeden Fall hatte Lina recht: Er war ein alter Kater. Sei es so!
„Wie gut, dass ich aus dem Alter heraus bin“, sagte er laut, damit Lina auch jedes Wort genau verstand. „Solche Jagden habe ich nicht mehr nötig. Im Gegenteil. Ich bin’s, der zuweilen gejagt wird.“ Er grinste. „Ja,ja, die Damenwelt liebt uns Veteranen.“
„Du bist ein eingebildeter alter Kater, aber es stimmt, ich liebe dich trotzdem“, schnurrte Lina und ließ sich neben ihm nieder. „Ach ja! Träumen wir noch ein wenig zusammen!“
Sie schloss die Augen und kuschelte sich an den alten Merlin. Sie träumten beide von vergangenen Zeiten und auch ein bisschen vom Frühling und als sie später wieder wach wurden, war Merlin bereit zu einem Spaziergang durch die erwachende Natur. Schön war das!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl