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Frühlingskonzert

Bei herrlichem Frühlingswetter hatten die Bewohner des Margaretenstiftes einen Ausflug zur Narzissenwiese gemacht. Mit diesem schönen Erlebnis war der Frühling in ihre Herzen eingekehrt.
„Aaah! Wie wundervoll ! Ich hätte nicht gedacht, dass ich dies noch erlebe.“
Margarethe Kocher reckte die Arme über den Kopf und streckte ihr Gesicht der Sonne entgegen.
„Ha! Das sagst du jedes Jahr wieder.“ Annagret Bach neben ihr grinste.
„Es ist doch gut, wenn sich das nicht bestätigt, meine Damen!“, warf Roland Weber ein, der gern die Gesellschaft der Damen suchte.
Margarete warf Annagret einen schelmischen Blick zu.
„Wenn Sie das sagen!“, sagte sie. „Und was, denken Sie, fangen wir mit diesem neuen Jahr, das uns das Leben geschenkt hat, nun an? Haben wir Pläne?“
„Pläne sollten wir machen, das klingt gut. Ich bitte um Vorschläge und werfe meinen ersten Einfall in die Runde: Wir organisieren ein Frühlingskonzert, von Bewohnern für Bewohner. Was halten Sie davon?“
Jetzt war Roland Weber in seinem Element, zu gern setzte er sich ans Klavier in der Halle und gab seine Kunst zum Besten.
„Was für eine wundervolle Idee!“
Ida Silbernagel, die immer gerne dort war, wo sich Roland Weber aufhielt, näherte sich ihnen. „Ich werde dazu singen. Habe ich Ihnen schon erzählt, dass ich vor meiner Ehe im Stadttheater gesungen habe. Und nicht mal schlecht. Hören Sie nur!“
Und sie begann zu singen:
„Frühling in San Remo, Paradies, das im Traum ich oft sah. Frühling in San Remo, lang ersehnt bist du heut mir so nah!“
Begeistert klatschte Roland Weber Beifall.
„Ach wie schön! ‚Maske in Blau‘ ist meine Lieblingsoperette!“, rief er.
Auch Margarethe und Annagret klatschten. Sie klatschten weniger begeistert und ihre Mienen sprachen Bände.
„Dass die sich aber auch immer vordrängeln muss!“, brummte Annagret.
„Ich habe früher Geige gespielt“, warf Margarethe ein. Sie sagte es nur leise.
Roland Weber aber hatte es gehört.
„Haben Sie Ihre Geige noch?“, fragte er sie.
„Ja, sie ist zu Hause bei meiner Tochter. Ich brauchte sie nur zu bitten, dass sie sie mir bringt.“
Schüchtern beantwortete Margarethe seine Frage.
„Dann tun Sie das! Unbedingt! Ach, wie schön wird das werden, wenn wir zusammen musizieren!“
„Fein! Lassen Sie mich nachdenken!“ Annagrets Stimme klang versöhnlich. „Ich kann nicht singen und mein einziges Instrument, das ich erlernte, war Blockflöte. Doch das vergessen wir lieber wieder gleich. Meine ‚Kunst‘ war eine andere. Backen! Ich konnte früher mit meiner Backkunst Tränen auf die Gesichter der Menschen zaubern.“
„Oh ja! Wir backen! Und ich werde Ihnen assistieren, liebe Annagret. Das wird ein feines Fest werden.“
Frederike Baumann hatte vor Aufregung schon ganz rote Wangen. Endlich war mal etwas los hier im Stift. Der Frühling brachte hoffnungsfrohe Gedanken mit sich. Und das war gut so.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl