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Die neue Wäscheleine

„Wäsche braucht Wind und Sonnenschein!“, sagte die alte Liese zu ihrem Gerd. „Der Frühling kommt und du solltest mir besser neue Leinen ziehen, die alten sind brüchig und unansehnlich!“
Gerd seufzte. Seine Liese hatte jeden Tag einen neuen Auftrag für ihn; sie war so richtig ungemütlich.
„Wozu brauchst du die Wäscheleine denn noch?“, knurrte er. „Wir haben doch extra die Waschmaschine mit dem eingebauten Trockner gekauft. Die war teuer genug. Arbeit wolltest du dir damit sparen. Und nun machst du sie dir mit dem Wäsche aufhängen doch nur neu.“
„Hörst du mir wieder einmal nicht richtig zu? Wäsche braucht frische Luft und Sonnenschein! Im Winter ist der Trockner gut, aber nun kommt der Frühling. Es gibt nichts Angenehmeres als Bettwäsche, die im Frühlingswind getrocknet wurde. Sie beschert schöne Träume. Und die Sonne bleicht die weiße Wäsche, da kommt kein Waschmittel mit!“
Liese erinnerte sich an die Zeit, in der die weißen Laken noch auf die Wiese zum Bleichen gelegt wurden. Sie erinnerte sich gern daran. Kein Fortschritt kam da mit.
„Du klingst wie meine Großmutter.“ Gerd seufzte wieder. „Was hatte die für eine Arbeit mit der Wäsche! ‚Ach, mein Jungchen‘, hatte sie immer gesagt. ‚Wenn ich nur ein bisschen mehr Zeit hätte für die angenehmen Dinge des Lebens, die nichts mit Arbeit zu tun haben.‘ Und dann hat sie geseufzt.“
Liese lachte. „So wie du andauernd hier seufzt. Nicht alles, was altmodisch ist, muss unbedingt schlecht sein.“
„Stimmt! Und man spart Strom, wenn man die Wäsche draußen trocknet“, lenkte Gerd ein. „Das schont den Geldbeutel!“
„Richtig! Gut für die Umwelt ist es auch und ein angenehmer Nebeneffekt ist noch, dass ich fit bleibe, wenn ich mich bücke und strecke und bücke und strecke.“ Liese lachte und drehte sich um sich selbst. „Sieht man doch, oder?“
„Das ist in Argument, zu dem mir keine Antwort mehr einfällt. Was kann man auch gegen Fitness und Gesundheit noch sagen?“
Gerd grinste und machte sich auf den Weg in seinen Hobbyraum, um Schnur zu suchen und die Wäscheleine auf Vordermann zu bringen.
„Und morgen“, brummte er, „machen wir eine Radtour und suchen den Frühling. Da werden wir sehen, das fit wie das erst hält!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl