Schlagwörter

, , , , ,

Das Glück mit dem Namen

„Das Glück glückt nicht jedem und das ist gut so.“
Der Mann mit der finsteren Miene nickte und für einen Moment ließen die Züge seines griesgrämigen Gesichtes fast so etwas wie Fröhlichkeit erkennen.
„Ich hasse es, dieses Glück!“
Er stampfte bekräftigend mit dem Fuß auf und all sein Groll nahm von seinen Gesichtszügen nun wieder Besitz.
„Also ich gönne es ja jedem, dieses Glück. Es ist doch etwas Wunderbares und mitnichten etwas Schlechtes!“
Die ältere Dame, die im Wartezimmer des Arztes gerade noch in einem Magazin geblättert hatte, mischte sich in die Unterhaltung der beiden Männer ein.
„Pah!“ Der Griesgram schnaubte auf, lachte.
„Glück macht das Leben heller. Alleine der Glaube daran hilft mir oft sehr“, mischte sich ein junges Mädchen ein. „Selbst wenn viele sagen, das Glück sei nichts weiter als eine Zufallssache.“
Die Sprechstundenhilfe betrat das Wartezimmer.
„Frau Fröhlich, Sie sind die nächste!“ Die ältere Dame stand auf und der griesgrämige Alte bellte heiser auf:
„Das ist ja wohl kein Zufall, Fröhlich heißen und an das Glück glauben, das passt!“
Die Leute im Wartezimmer lachten und auch die alte Dame musste grinsen.
„Meinen Namen habe ich mir nicht ausgesucht“, erwiderte sie dann. „Wohl aber meine Einstellung zum Leben.“ Sie stutzte, grinste wieder. „Und Sie? Wie lautet Ihr Name?“
Der Alte wurde blass, er stotterte:
„Äh, ich, ich heiße … ach, das tut doch hier nichts zur Sache!“ Verärgert schwieg er.
Frau Fröhlich folgte der Sprechstundenhilfe und im Wartezimmer hing jeder wieder seinen eigenen Gedanken nach.
Sicher heißt er Griesgram!, dachte das junge Mädchen. Es lächelte bei dem Gedanken.
Nach einer Weile öffnete sich die Tür des Wartezimmers wieder, die Sprechstundenhilfe rief den nächsten Patienten auf. Gebannt starrten alle sie an.
„Sie sind der Nächste, Herr …“ Sie grinste. „Herr Lustig!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl