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Apfelmus für den Herrn Appelkrug

Vor der Haustür standen zwei Körbe voller Äpfel. Herrlich duftige rotwangige. Die meisten von ihnen waren leicht angefault, hatten Dellen oder Druckstellen.
„Fallobst!“, wunderte sich Oma. „Wer schenkt uns Fallobst?“ Sie starrte die Straße entlang. „Das ist doch bestimmt wieder ein Streich von diesem Neuen, diesem seltsamen Herrn Appelkrug.“
Lina, die auf einmal ein schlechtes Gewissen hatte, nickte.
„Kann sein“, murmelte sie. „Wir haben uns gestern darüber unterhalten.“
„Worüber? Über Fallobst?“ Oma regte sich wirklich auf.
„Über Apfelmus“, versuchte Lina zu beschwichtigen. „Und dass Kartoffelpuffer mit Apfelmus genau so lecker schmecken wie Himmel und Erde.“
„Ihr habt beide einen guten Geschmack“, sagte Oma. „Dennoch frage ich mich, warum du dich immer bei dem alten Sonderling herumtreibst. Der Mann ist mir nicht geheuer.“
„Warum nicht?“
„Wer zieht in dem Alter noch um und dann ganz alleine und noch dazu in einen halb vergammelten, alten Bauernhof? Das ist doch nicht normal.“ Oma regte sich wirklich auf. „Und dann diese Haare. Der Mann trägt Pferdeschwanz und den in grau. Wie ein alter Hippie kommt er daher.“
„Ich mag Pferdeschwänze viel mehr als die kurzen Frisuren mit den halben Glatzen“, verteidigte Lina ihren neuen Freund. „Und du magst sie auch.“
Oma schwieg. Sie musste nun doch grinsen. „Du hast ja recht. Ich rede wieder wie eine alte Spießerin, und die möchte ich nicht sein. Oh! Ich doch nicht!“
Sie griff in den Korb und besah sich die Äpfel genauer. „Sie duften sehr aromatisch. Würzig und leicht säuerlich. Die perfekten Apfelmusäpfel.“ Sie grinste noch breiter. „Ich werde euren Ruf erhören und eine riesengroße Schüssel Apfelmus kochen. Für deinen neuen Freund und dich.“
„Und Kartoffelpuffer“, rief Lina da schnell. „Die sind Herrn Appelkrugs Lieblingsessen. Und meines auch. Und dann laden wir Herrn Appelkrug zum Essen ein. Damit du ihn endlich auch kennen lernst. Er ist nämlich seeeehr nett.“
„Einverstanden“, nuschelte Oma. „Ihr habt mich überredet.“
Nun grinste Lina genau so breit wie Oma. Das mit den Äpfeln war ja auch ein guter Plan gewesen. Oder?

© Elke Bräunling

Fallobst

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