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Als Oma damals nach Italien reiste
Feriengeschichte für Senioren

„Ich möchte so gerne noch einmal nach Italien fahren“, sagte Uroma Marie. „An die Adria wie damals, als ihr noch Kinder wart.“ Sie seufzte tief. Es klang nach einem Sehnsuchtsseufzer.
Oma seufzte auch. Die Wünsche von Uroma Marie konnten manchmal nämlich sehr anstrengend sein. Und das war einer davon.
„So wie früher?“, fragte sie vorsichtig.
Die Uroma nickte. „Genau so. Es waren die schönsten Urlaube meines Lebens. Und die lustigsten.“
Oma nickte auch. „Sehr lustig“, sagte sie. „Zu fünft mit Hund im VW-Käfer. Und mit zwei Zelten, Campingkocher, Konservendosen, Gepäck und Vaters Fotokoffer.“
„Na und? Wir hatten viel Spaß.“ Uroma Marie sah Oma prüfend an. „Ihr hattet doch Spaß, oder?“
Oma nickte. „Ja, so verrückt es heute klingen mag. Wir liebten es, in den großen Ferien zwei Wochen am Meer zu zelten.“
„Toll“, staunte Pia. „Aber warum habt ihr Konservendosen mitgenommen?“
„Weil wir sparen mussten“, erklärte die Uroma.
„Und weil euer Urgroßvater mit dem italienischen Essen nichts am Hut hatte. Er mochte Speisen, die mit Olivenöl zubereitet wurden, nicht leiden. Verrückt, nicht?“ Oma grinste. „Aber wir haben das Essen dort umso mehr geliebt. Zum ersten Mal habe ich Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesankäse, Lasagne und Pizza dort gegessen. Das gab es nur in Italien und ich habe mich jedes Jahr wieder darauf fast so sehr gefreut wie auf Weihnachten.“
„Boah! Nur im Urlaub konntet ihr Pizza, Lasagne und Spaghetti essen?“ Pit konnte es nicht fassen und noch weniger konnte er es sich vorstellen, dass die Menschen in der Zeit, in der Oma ein Kind gewesen war, diese leckeren Speisen nur vom Urlaub her kannten.“
„Pizzerien gab es erst ein paar Jahre später bei uns. Aber Eisdielen, die im Frühling und Sommer geöffnet hatten, kannten auch wir schon.“
„Wahnsinn!“, staunte Pit.
„Und was haben wir da für nette Leute am Strand kennen gelernt!“, schwärmte Uroma Marie. „Erinnerst du dich an die Poltkes aus Düsseldorf, Lisa? Oder an die Lechners aus Fürstenfeldbruck und die Bachmanns aus diesem Dorf in der Lüneburger Heide?“
„Das sind doch keine Italiener“, sagte Pia.
„Nee, aber das waren auch so Verrückte wie wir, die mit einem Kleinwagen voller Kinder zur Adria fuhren und ihr Zelt neben uns auf dem Zeltplatz aufbauten“, antwortete Oma. „Wir hatten großen Spaß miteinander. Eigentlich schade, dass wir uns aus den Augen verloren haben.“
„Ist ja auch schon eine Weile her“, sagte Uroma Marie. „Wäre es nicht nett, wenn wir alle uns noch einmal dort unten träfen?“
Mit ‚dort unten‘ meinte sie jenen Zeltplatz in Strandnähe irgendwo an der Adria.
Oma schnaubte. Das war also gleich noch einer jener anstrengenden Wünsche, die Uroma Marie in der nächsten Zeit nun wieder und wieder äußern würde. Man kannte das ja schon.
Pia staunte aber noch immer über dieses Verreisen damals. Sie versuchte sich vorzustellen, wie sich Oma und ihre Geschwister, Großtante Paula und Großonkel Peter, mit Dackel Theobald auf die Rückbank eines VW-Käfers quetschten und Rucksäcke und Campingzeugs während der langen Fahrt nach Italien auf den Knien hielten. Sie kicherte. Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Zu komisch sah das Bild aus, das die Fantasie ihre gerade malte.

© Elke Bräunling

Geranien

Aus dem neuen Buch:

OMAS SOMMERGESCHICHTEN – Geschichten und Märchen zum Sommer, erschienen im Mai 2017


Taschenbuch:Omas Sommergeschichten: Sommergeschichten und -märchen für Kinder
Ebook: Omas Sommergeschichten: Sommergeschichten und Märchen für Kinder
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