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Der Fußball, die Liebe und die bunten Erinnerungen
Erzählung für Senioren

Laut ist es im Park. Die Kinder von der Schule nebenan haben die Parkwiese für sich erobert und spielen Fußball. Und es klingt, als hätten sie viel Spaß dabei.
„Schön!“, freut sich die betagte Frau Bergmann. „Wie fröhlich sie sind!“
„Sie bolzen und schonen sich nicht“, sagt der ältere Herr auf der Bank gegenüber.
Frau Bergmann nickt. „Schön!“, sagt sie wieder. Mehr nicht.
„Was soll daran schön sein?“, regt sich ihre Banknachbarin auf. „Das Betreten des Rasens ist verboten. Das steht überall geschrieben.“ Sie deutet auf eines der Verbotsschilder am Rande der Wiese. „Diese Kinder sind rücksichtslos! Sehen Sie nur! Sie ruinieren den Rasen.“
„Sie spielen Fußball!“, sagt der Herr von gegenüber. „Wild, rau, rücksichtslos. Aber sie machen ein gutes Spiel. Alle Achtung!“
Frau Bergmanns Banknachbarin ist empört. „Ein gutes Spiel?“, bellt sie mit spitzer Stimme. „Wir sind hier in einem öffentlichen Park und nicht auf einem Fußballplatz. Dieser Lärm ist schrecklich!“
„Lärm gehört zum Kampf. Fußball ist ein lautes Spiel.“ Der Herr gegenüber nickt zufrieden. „Wir sind damals auch nicht leise gewesen und wir haben uns auch nicht geschont.“ Nach einer kleinen Pause fügt er hinzu. „Ich habe ihn geliebt, den Kampf mit dem Ball. Damals. Heimlich nur konnte ich Fußball spielen. Meine Eltern hatten mir das Fußballspiel verboten. Es sei zu wild und ungehobelt und flegelhaft“, hatten sie gesagt. „Und es sei gefährlich für die Hände.“ Er mustert seine langen, gepflegten Finger. „Klavier musste ich lernen. Und Cello. Fußball passte nicht in den Plan.“
„Fußball ist doch so schön!“, sagte Frau Bergmann wieder, während ihre Banknachbarin mit einem vielsagenden Nicken murmelt:
„Ich kann Ihre Eltern sehr gut verstehen.“ Sie mustert Frau Bergmann. „Was, bitteschön, gefällt Ihnen an diesem lauten und sinnlosen Spiel?“
„Hugo!“, sagt Frau Bergmann. „Ich habe Hugo bei einem Fußballspiel kennen gelernt. Er war meine große Liebe und ein großartiger Fußballer. Seinetwegen habe ich einen großen Teil meiner Freizeit auf dem Fußballplatz verbracht. Wobei ich zugeben muss, dass ich wenig von den Spielen mitbekommen habe. Ich war so sehr verliebt!“ Sie lacht. „Eigentlich kenne ich die Regeln bis heute nicht. Sie interessieren mich auch nicht.“
„Warum sagen Sie dann ständig, Fußball sei schön? Sie kennen dieses Spiel nicht.“
„Aber ich kenne meine Erinnerungen“, antwortet Frau Bergmann sanft. „Schöne Erinnerungen sind es wert, gehegt zu werden. Sie malen die Gedanken bunt.“
Der Mann gegenüber nickte, lächelte.
„Und was ist aus Ihrem Fußball-Hugo geworden?“
„Eines Tages war er verschwunden. Seine Eltern hatten ihn in ein Internet gesteckt. Damit er Klavier spielen lernt. Und Cello. Ich war am Boden zerstört. Lange brauchte ich, um über diesen Verlust hinwegzukommen.“
Frau Bergmann blickt zu den Kindern hinüber, die hinter dem Ball her über den Rasen toben. „Von dem Moment an hatten mich die Erinnerungen an die Zeit der großen Liebe bei jedem Fußballspiel, das ich sah, durchs Leben begleitet. Und so wird es auch bleiben. Ich liebe Fußball …“ Sie lächelt und fügt hinzu. „Und ich liebe Hugo.“
„Immer noch?“ Ihre Banknachbarin staunt.
„Immer noch“, antwortet Oma Bergmann. Um ihre Augen bilden sich viele fröhliche Lachfältchen, als sie dem Herrn auf der Bank gegenüber zublinzelt.

© Elke Bräunling

Auch hier spielt Fußball eine Rolle:
Fußball mit Sahnehäubchen
Opas Fußballwette und der Besuch von Cousine Erna

Weitere Gespräche auf der Parkbank:

Zu alt?
Herr Müller und Herr Maier
Der Hanswurst
Rücksichten
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Die blaue SchleifeDie blaue Schleife
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Die Hoffnung stirbt zuletzt
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