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Frühlingslächeln für Oma Erdmann

An den ersten sonnenwarmen Frühlingstagen war viel los draußen. Alle wollten ihre Gärten ‚frühlingsfein‘ machen. Das war auch gut so, denn nach dem langen Winter lagen Äste und Zweige und viel Herbstlaub auf Blumenbeeten und Rasenstücken. An manchen Stellen hatten die Frühlingsblumen Mühe, ihre Triebe ans Tageslicht zu lupfen.
Auch Oma Erdmann war in den Garten hinausgegangen. Sie saß auf der kleinen Steinbank und streckte ihre Nase der Sonne entgegen. Sehr freute sie sich, dass der Winter endlich dem Frühling Platz gemacht hatte. Doch ihre Kraft zur Gartenarbeit fand sie in diesem Jahr nicht.
„Was ist los mit mir?“, murmelte sie. „Ich fühle mich so müde.“ Sie schüttelte den Kopf. Nein, sie hatte keine Lust, die Beete zu säubern und neue Blumen zu pflanzen. „Wozu auch? Für mich alleine lohnt sich die Mühe nicht. Der Garten macht mir keinen Spaß mehr.“
Traurig dachte sie an Opa Erdmann. Sie vermisste ihn sehr. Und so saß sie da, lauschte dem fröhlichen Lärmen aus den Gärten ringsum und grübelte.
Sie grübelte viele Tage lang, und eines besonders schönen Sonnentages linste Frau Blumenfee über Oma Erdmanns Gartenzaun
„Oh! Ein Herz ohne Mut tut dem Leben nicht gut“, sagte sie, zog ihren silbernen Zauberstab hervor und murmelte: „Wunden heilen manchmal nur Feenzauber und Natur.“ Sie schwang den Zauberstab drei Mal und rief ihre Naturgeisterfreunde, die Erdwichtel und Blütenelfen, herbei.
Es dauerte nicht lange, und in Oma Erdmanns Garten trugen sich wundersame Dinge zu. Überall streckten grüne Triebe ihre Spitzen aus der Erde. Sie durchdrangen den dichten Herbstlaubteppich, schlängelten sich um morsche Äste und Zweige, überwucherten sie, und schmückten den Garten bis zum Abend mit einem hellen frischen Grün.
Als Oma Erdmann am nächsten Morgen die Fensterläden öffnete, staunte sie. Von allen Beeten her winkten ihr Narzissenglöckchen und Tulpenbecher, umgeben von Primeln, Traubenhyazinthen, Schlüsselblumen und anderen Frühlingsblüten. Sanft neigten sie ihr im Hauch des Frühlingswindes ihre Köpfe zu. Es war, als lächelten sie. Als Oma Erdmann dann auch noch das fröhliche Lachgesicht, das Gänseblümchen auf ihren Rasen „malten“, erblickte, konnte sie nicht länger ernst und traurig sein. Ihr Herz pochte etwas heftiger. Vor Glück. Und langsam kehrte das Lächeln auch in ihr Gesicht zurück.

© Elke Bräunling

Dies war vor zwei Jahren. Heute kann Oma Erdmann wieder singen und als sie in ihrem Garten singend nach den ersten Frühlingsboten Ausschau hält, erlebt sie eine kleine Überraschung. Hier: Froh zu sein bedarf es wenig 

Doch nicht sie wird überrascht, nein, auch die Nachbarin, die mit sich hadert: Frühjahrsputz und ein Lied

1Hör mal, Oma

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