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Im Märzen der Bauer

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt …“, trällerte Opa Peters, als er mit seinem Traktor an den wenigen Feldern, die er noch besaß, vorbei tuckerte. Salat hatte er heute gepflanzt und Blumenkohl, Kohlrabi, Radieschen, Lauch und Sellerie gesät und er war noch lange nicht fertig mit seiner Arbeit. Vieles galt es besonders jetzt im Frühjahr auf den Feldern zu tun. Schon immer war es so gewesen und so wird es für Opa Peters auch immer bleiben.
„Du bist altmodisch, Vater!“, sagten seine Kinder zu Opa Peters. „Deine Landwirtschaft rentiert sich nicht.“
Opa Peters schwieg dazu. Wie er es gewohnt war, bestellte er Felder und Gärten auf seine ‚altmodische’ Weise. Er pflanzte und säte alles, was er schon immer im Frühling angepflanzt und gesät hatte. Er sorgte sich auch um die Zäune, die seine Wiesen und Weiden eingrenzten. Bald würden hier wieder die wenigen Kühe und Ziegen, die noch im Stall standen, frische Gräser und Kräuter fressen und im Hühnergarten würden Hühner und Gänse nach Körnern und Würmern picken.
Opa Peters nickte zufrieden und machte sich für heute auf den Heimweg.
„Wie in der guten alten Zeit“, murmelte er und summte das Lied vom „Märzenbauer“ wieder vor sich hin, während er an den weiten, langen, langweiligen Feldern seiner Nachbarn vorbeituckerte.
„Du musst dich spezialisieren“, sagten die ihm jedes Jahr aufs Neue. „Mache es wie wir und baue Raps an oder Mais oder Zuckerrüben oder Getreide! Es sind Grundstoffe für Biogas oder Biobenzin und andere neue Energien. Sie bringen uns Landwirten gutes Geld.“
Opa Peters aber schüttelte immer wieder den Kopf. „Von Biogas wird keiner satt“, brummte er dann.
Er brummte es auch jetzt, als er an den Feldern, die die schöne Bauernlandschaft verändert hatten, vorbei fuhr.
„Nicht alles, was sich ‚rentiert’, muss auch gut sein“, murmelte er.
Er trat aufs Gaspedal, um schneller nach Hause zu kommen. Dort, rund um seinen Hof, war die Welt noch in Ordnung. Der Hof sah aus wie ein richtiger Bauernhof und mit dem Frühling kamen auch die bunten Farben in seine kleine Welt zurück.
Nun hatte er die Allee mit den knorrigen Obstbäumen erreicht. Bald würden die dicken Knospen an den Zweigen aufblühen und das Land mit duftigen weißen Blütentupfern schmücken. Die Bienen würden kommen, die Schmetterlinge, die Singvögel.
Opa Peters fühlte, wie etwas in seiner Seele zu lächeln begann.
Und lächelnd fuhr er auch auf den Hof. Er kletterte vom Traktor und öffnete eine Tür, die in den ehemaligen Schweinestall führte und an der ein Schild mit der Aufschrift „HOFLADEN“ hing.
Viel los war hier wie jeden Tag um diese Zeit. Geduldig warteten Leute darauf, von Oma Peters und Schwiegertochter Anja bedient zu werden. Es waren Kunden aus der nahen Kleinstadt und aus den Dörfern. Es waren auch die Landwirtsfamilien von den umliegenden Bauernhöfen, die im Hofladen der Peters’ einkauften: Obst, Gemüse, Nüsse, Honig, Marmelade, Brot, Zopfkuchen, Milch, Butter, Käse, Eier, Wurst, Fleisch, Frühlingsblumen, Kräutertöpfchen und viele Köstlichkeiten mehr, alles „Schätze“ aus Opa Peters’ ‚altmodischer’ Landwirtschaft. Nur Biogas gab es nicht, doch das konnte man ja auch nicht essen.

© Elke Bräunling

1deraltekirschbaumFrühlingsgefühle – Der alte Kirschbaum im Weinberg

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