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Die Tasse mit dem Blumenherz
Eine Blümchentasse mit einem Riss und Blumenerde steht eines Morgens auf dem Fensterbrett

Eines Morgens stand eine Tasse auf dem Fensterbrett vom alten Anton. Eine altmodische Kaffeetasse aus dünnem Porzellan. Sie war mit kleinen roten und blauen Blümchen bemalt und hatte einen breiten, sorgfältig zugeklebten Riss. Der zog sich vom Tassenrand bis zum Tassenboden und man sah, dass er die Tasse in zwei Hälften getrennt hatte. Kaffee trinken konnte man aus ihr nicht mehr, aber dazu war sie auch nicht gedacht. Mit Erde war sie gefüllt. Mir feiner, schwarzer Blumenerde.
Der alte Anton war überrascht.
„Wer schenkt mir eine Blumentasse?“, freute er sich. „Wie nett das doch ist!“
Irgendwie meinte er, diese Tasse schon einmal in einer anderen Zeit gesehen zu haben, aber das war lange her. Er sah auf die Straße hinaus, doch er konnte niemanden entdecken. Wie auch? Die Nachbarn waren bei der Arbeit, die Kinder in der Schule, wie immer an einem ganz normalen Mittwochmorgen. Dass sich die Gardine gegenüber im Fenster von Oma Katharina leicht hin- und herbewegte, sah er nicht. Er hatte nicht dort hinüber geblickt. Das tat er nie seit dem Streit damals. Der war viele Jahrzehnte her und eigentlich wusste Anton gar nicht mehr, warum sie sich zerstritten hatten.
„Es ist nicht üblich, dass man einander bunte Tassen mit Blumenerde aufs Fensterbrett stellt“, brummte der alte Anton nun. Es war ein zufriedenes Brummen. Nein, üblich war es nicht. Aber aufregend. Vielleicht zauberte dieses Geschenk eines Tages eine Blüte hervor? Diese Idee gefiel ihm und er beschloss, sich um die Wundertasse zu kümmern und die Erde jeden Tag zu gießen.
Eine spannende Zeit begann. Schon bald zeigten sich klitzekleine, grüne Triebe. Gierig nach Wasser und Luft schälten die sich aus der Erde und reckten sich der Sonne entgegen. Und Tag für Tag mehr erkannte Opa Anton das Herz, das die Kressepflänzchen formten. Jemand hatte sie in der Form eines Herzens in die Erde gesät.
„Wer schenkt mir altem Zausel ein Herz?“ Der alte Anton staunte. „Diese Zeit ist für mich doch längst vorbei! Oder?“
Weil es aber gerade die Zeit der Herzen kurz vor Sankt Valentin war, spürte er, wie sehr ihn dieses Geschenk freute. Es war eben doch noch nicht alles vorbei.
„Wie schön das Leben ist! Wie aufregend schön.“
Er blickte zu Katharinas Fenster hinüber und lächelte. Würde der Riss auch zwischen ihnen noch einmal zu kitten sein? Einer müsste den ersten Schritt gehen. Oder war der schon gemacht?

© Elke Bräunling

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