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Jonas will Schriftsteller werden

Jonas war gerade acht Jahre alt geworden, als er beschloss, Schriftsteller zu werden. In der Schule gab es nämlich eine Lesenacht, zu der auch ein Autor kam, der aus seinen Kinderbüchern vorlas. Das hatte Jonas mächtig imponiert und er bekam sogar die Gelegenheit, mit dem Mann zu sprechen und ihm einige Fragen zu stellen.
„Wie lange schreiben Sie jeden Tag?“ wollte er wissen.
„Das ist ganz unterschiedlich, manchmal stehe ich morgens auf und setze mich gleich an den Computer. An anderen Tagen fällt mir zunächst gar nicht viel ein, dann gehe ich spazieren oder lese so lange, bis ich wieder schreiben kann.“
„Das muss ein schönes Leben sein, immer nur schreiben und lesen und nachdenken“, hatte Jonas gesagt und der nette Mann musste lachen.
„Stell es dir nicht zu einfach vor. Es macht zwar großen Spaß, aber von irgend
etwas muss ich ja auch leben, nicht wahr?“
„Bekommen Sie denn kein Geld für die Bücher?“, fragte Jonas verwundert. Er hatte sich immer vorgestellt, dass Schriftsteller reich sein müssten.
„Doch, natürlich bekomme ich Geld dafür, aber es ist nicht allzu viel. Eine Familie kann ich davon nicht ernähren, im Gegenteil, wenn meine Frau nicht arbeitete, dann sähe es schlecht aus für mich.“
Jonas fand es gut, dass der Schriftsteller so ehrlich war, trotzdem wuchs in ihm der Wunsch, auch einmal Bücher zu schreiben.
„Was meinen Sie, soll ich es mal versuchen?“ fragte er deshalb und knibbelte vor Aufregung an seinen Fingernägeln. Gleich würde sich entscheiden, wie es in seinem Leben weitergehen sollte.
„Ich kann dir nur eines sagen: Lies alles, was dir unter die Augen kommt. Schau dich um in der Welt und trage stets ein kleines Büchlein bei dir, worin du deine Ideen aufschreibst. Eines Tages wirst du wissen, was du schreiben möchtest und dann schreib los. Es macht einen Riesenspaß, das garantiere ich dir.“
Gleich am nächsten Tag kaufte Jonas ein dickes Heft, auf das schrieb er mit dicken Buchstaben „Meine Ideen“.
Heute ist Jonas erwachsen, er schreibt jeden Tag und nie fehlt es an Ideen, denn sein Lebensheft ist so angefüllt mit Erlebnissen und Ideen, dass er die nächsten Jahre noch gut zu tun haben wird. Ohne sein Ideenheft geht er nirgends hin und jeden Tag passiert etwas, das er dort hineinschreiben kann. Ein berühmter Schriftsteller ist er noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

© Regina Meier zu Verl