Die Septemberfee

Der September war gekommen, doch so richtig wollte der Sommer noch nicht gehen.
Die Septemberfee zögerte. Nur ganz leise und behutsam näherte sie sich dem Land.
„Der Abschied vom Sommer schmerzt alle sehr, die Menschen wie die Natur“, sagte sie und seufzte.
Ihre Aufgabe war nicht einfach. Der Rückzug der Pflanzen und Tiere würde nun beginnen. Die Menschen würden mit Bedauern auf die kürzer werdenden Tage blicken und an den Abschied von Wärme und Licht denken.
„Sie sollen den Herbst lieben, so wie sie den Sommer lieben“, sagte die stille, weise Fee. „Deshalb muss ich ihnen die Tage versilbern wie edle Schmuckstücke. Freuen sollen sie sich beim Anblick meines ‚Septemberlandes‘. Jeden Tag ein bisschen mehr.“
Und langsam begann sie mit ihrer Arbeit.
Zart legte sie in den frühen Morgenstunden helle Nebelschleier über Bäche, Flüsse, Seen und Täler und umhüllte Blumen, Kräuter, Gräser, Büsche und Bäume mit dünnen Silberfäden. Dann breitete sie ihren Zauberumhang, der aus allen Farben des Jahres gesponnen war, aus und pustete Abermillionen kleiner Funkelgeister über das Land. Die legten sich wie Perlen auf die Silberfäden und warteten auf den Aufgang der Sonne. Und damit geschah das leise Wunder der Septemberfee an jedem neuen Morgen im September: Das Land funkelte und strahlte und gleißte und man meinte, man blicke in eine riesengroße Schatztruhe voller Gold, Silber und Juwelen.
„Ein Wunder!“, riefen die Menschen, wenn sie am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Kindergarten in Gärten, Feldern, Wiesen, Wegrainen und Bäumen das Septemberfunkelwunder sahen.
„Schööön“, riefen sie und freuten sich, und viele sagten: „Der September ist ein würdiger Nachfolger des Sommers.
„Schööön“, murmelte auch die Septemberfee, wenn sie die Freude im Land sah. Am meisten aber freute sie sich, wenn die Kinder nun „Herbst ist toll“ sagten.

© Elke Bräunling

Eine längere Fassung dieser Geschichte findet ihr hier: Als die Septemberfee den Sommer verabschiedete

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