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Zu alt?
Gespräche auf der Parkbank

„Die Welt ist schnelllebig geworden“, murmelte die Frau. „Manchmal habe ich das Gefühl, nicht mehr mitzukommen.“
Der ältere Mann neben ihr auf der Parkbank, der mit freudloser Miene das bunte Treiben ringsum beobachtete, sah sie an. „Wie darf ich das verstehen?“, fragte er höflich.
„Nun ja“, meinte die Fremde, eine attraktive, sympathisch wirkende Endfünfzigerin. „Diese Technik, die unseren Alltag beherrscht. Finden sie nicht auch, dass sie uns erdrückt?“
„Technik“, antwortete der Mann langsam, „hat uns in gewisser Weise trotz der Nachteile, die jede Neuheit zweifellos auch mit sich bringt, doch immer wieder bereichert. Können Sie sich beispielsweise ein Leben ohne Waschmaschine vorstellen?“
Sie lachte. „Das ist etwas anderes. Auf diese Helfer im Haushalt kann man nicht verzichten. Aber diese kleinen Tyrannen überall…“ Sie deutete auf einige Parkbesucher mit Handys, „… sagen Sie selbst, braucht man sie zwingend zu jeder Zeit und an jedem Ort?“
„Handys können Leben retten“, meinte der Mann.
„Und sie machen unfrei“, erwiderte sie. „Und süchtig. Genau wie dieses stressige Internet.“ Sie erhob sich, wandte sich zum Gehen. „Wissen Sie, ich fühle mich einfach zu alt für diese Dinge. Ich möchte nicht mehr hinter jeder Neuheit herjagen und deren technische Details erlernen und begreifen müssen. Es stiehlt mir zu viel von meiner kostbaren Lebenszeit. Leben Sie wohl!“
„Zu alt?“ Der Mann starrte ihr hinterher, wie sie mit jugendlichem Gang dem Parkausgang zustrebte. „Sie ist doch mindestens zehn oder fünfzehn Jahre jünger als ich. Hm. Er fühlte sich auf einmal noch älter als sonst. Uralt.
„Ab wann ist man ‚zu alt‘?“ Unbeabsichtigt hatte er sich diese Frage laut gestellt.
Ein Lachen unterbrach sein Grübeln. Die alte Dame mit den weißen Oma-Kringellöckchen auf der Bank gegenüber zwinkerte ihm zu.
„Zu alt, junger Mann, kann man in diesem Leben nie sein. Höchstens zu träge. Das ist der Unterschied“, sagte sie, griff nach dem Smartphone in ihrer Jackentasche, las die SMS, die sich gerade mit den ersten Takten des Scorpion-Refrains von ‚Wind of Change‘ angekündigt hatte und sagte lächelnd: „Ein Date. Ich habe jetzt ein Date.“ Wieder zwinkerte sie ihm zu. „Mit meinem Urenkel. Ciao!“
Der Mann grinste. Dann lehnte er sich gemütlich zurück und streckte seine Nase der Sonne entgegen. Er fühlte sich frei wie lange nicht mehr.

© Elke Bräunling

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