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Der Muttertag in unserer Familie

Am Muttertag ist immer viel los bei uns zuhause. Weil nämlich nicht nur Mama Muttertag feiert, sondern auch unsere beiden Omas, die ja auch Mütter sind. Oma Isa ist die Mutter von Mama und Oma Brigitte die von Papa und beide sind unsere Omas. Aber da sind auch noch die vier Uromas. Uroma Sophie ist die Mutter von Oma Isa, Uroma Wilma ist die Mutter von Opa Lutz, Uroma Carlotta ist die… oh, nein, das zu erklären wird zu schwierig. Ehrlich gesagt begreift nicht jeder das alles mit unserer großen Familie und ehrlich gesagt begreife ich es manchmal selbst nicht.
Es ist echt schön, so viele Omas und Opas und Uromas und Uropas zu haben. Manchmal aber ist es auch anstrengend. An Festtagen zum Beispiel. Alle wollen sie mit uns feiern, doch nicht alle wollen das gemeinsam tun. Weil Uroma Wilma nämlich keinen Bock hat, Uropa Walter, den Mann von Uroma Carlotta zu sehen. Die hatten irgendwann mal vor vierzig oder fünfzig Jahren einen Streit gehabt und Uroma Wilma … nein, das interessiert auch niemanden mehr, höchstens noch Uroma Wilma und Uropa Walter. Jedenfalls feiern wir deshalb zu Weihnachten und Ostern einen Tag mit der Familie von Uroma Wilma und den anderen Tag mit der von Uropa Walter. Das klappt auch ganz gut zu Weihnachten und zu Ostern. Nicht so zum Muttertag. Da wollen alle feiern und zwar mit uns.
Ehrlich, wir mögen eigentlich den Muttertag gar nicht leiden, denn er ist nichts als ein Stresstag. Nicht nur wegen Uroma Wilma und Uropa Walter, die es gar nicht cool finden, an diesem Tag miteinander an einem Tisch sitzen und sich auch noch vertragen zu müssen. Nein, auch Mama und Tante Maja, die auch eine Mutter ist und eigentlich auch lieber ihren Muttertag in Ruhe feiern möchte, anstatt für so viele Leute zu kochen und zu backen, sind an diesem Tag nur am Rennen und die meiste Zeit stehen sie in der Küche. Wenn nämlich alle Zeit haben und kommen, sind wir vierundzwanzig Erwachsene und sechs Kinder, und die haben alle Hunger. Auf Mittagessen und später auf Kaffee, Kakao und lecker Kuchen.
„Wenn das Wetter mitmacht, grillen wir, und dann können wir die Tische im Garten decken. Das ist einfacher“, sagen Papa, Opa Lutz und Onkel Gianni immer, aber das Wetter macht am Muttertagssonntag meist nicht.
Dann feiern wir im Haus unten in der Wohnung von Oma Isa und Opa Lutz und eine Etage höher in unserer Wohnung. Da ist dann vielleicht etwas los und über unsere Feste gäbe es bestimmt hundert und mehr Geschichten zu erzählen. Die meisten sind sehr komisch und zum Lachen.
Wer darüber aber nicht lachen kann, das sind Mama und Tante Maja. Die sind nämlich so was von fix und alle, wenn alle Gäste gegangen sind, dass sie abends zusammen auf dem Sofa liegen und Lindenstraße und Tatort gucken. Mehr geht dann nicht mehr.
Einmal hat Papa den Fehler gemacht, sich vor den Fernseher zu stellen und „So, meine Lieben, und nun feiern wir nochmal so richtig nett. Im Kleinen und …“
Ich glaube, er wird diese Frage nie mehr stellen, denn was da los war damals, als er unbedingt nach der Feier noch einmal feiern wollte, ist eine Geschichte für sich. Wollt ihr sie hören?

© Elke Bräunling