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Sommerkirmes 1970

Im Dorf ist Jahrmarkt, wieder einmal. Ich denke an dich, meine nach Zimtnudeln duftende Freundin aus Kindertagen. Weißt du noch, wie vergnügt wir waren? Kinder waren wir noch und doch schon auf dem Weg erwachsen zu werden. Weißt du noch, wie wir stundenlang vorm Spiegel standen, um uns aufzuhübschen, weil uns ja der Mann unseres Lebens begegnen könnte – auf dem Jahrmarkt. Die Vorbereitung auf den Bummel durch die Straßen, in denen sich eine Bude an die andere reihte, war beinahe noch schöner, als der Kirmesbesuch selbst. Wir lachten, flochten unsere Haare zu Zöpfen, krempelten unsere Miniröcke an der Taille um, damit sich noch ein wenig kürzer waren. Der Mann unseres Lebens ist uns dort nicht begegnet, wie sollte er auch? Wir saßen zu zweit im Twister-Karussell und juchzten vor Freude, so lange, bis wir unser Taschengeld ausgegeben hatten. In der Gondel war nur Platz für zwei, für dich und für mich, liebe Freundin. Wie geht es dir heute wohl, was machst du? Sind deine Gedanken an die Kindheit auch so bunt wie meine?
Ich hebe mein Glas, in dem ein dunkler Roter funkelt. Ich hebe es und trinke auf dich und ich schaue aus dem Fenster auf die Buden der Schausteller – im Dorf ist Jahrmarkt, wieder einmal.

© Regina Meier zu Verl