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Ligurische Träume

„Was hältst du vom Winter in Ligurien?“, fragt er und nippt an seiner Espressotasse.
„Viel“, meint sie schläfrig und blickt den Wolken hinterher.
„Ist ganz easy“, fährt er eifrig fort. „Wir machen die Bude hier dicht, laden das Auto bis zum Anschlag voll mit Klamotten und Büchern und mieten uns an der Küste in einem verwinkelten Städtchen eine Wohnung mit Dachterrasse und Blick aufs Meer. Für drei, vier Monate oder so.“
Hm. Die Gedanken gehen auf die Reise. Sie schließt die Augen und … wusch … sitzt sie auf dem Dach eines alten, vierstöckigen, ockerfarbenen ligurischen Hauses am Ende einer romantisch engen Gasse, hört fröhliche, gut gelaunte Rufe vom nahen Marktplatz und Eros Ramazotti aus der Trattoria nebenan, riecht das Meer und frischen Fisch, spürt die wärmenden Sonnenstrahlen auf ihrer Nase und … seufzt. Urlaub! Endlich wieder einmal ein langer Urlaub mit viel Ruhe, Flair und Genuss und ganz ohne Arbeit. Herrlich!
„Eine wundervolle Idee“, freut sie sich. Sie sieht ihn liebevoll an, haucht: „Danke.“
Er strahlt. „Ja, nicht? Stell dir vor, wie toll und kreativ wir dort arbeiten werden und …“
Arbeiten? Sie erwacht, blickt auf die Uhr, steht auf, ruft ihm im ein „Danke für den Espresso“ zu und hastet davon. Ihre Schultern hängen noch ein wenig tiefer als sonst …

© Elke Bräunling